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Die Krone der Schöpfung? Oder: Bedenkbare Gedanken. "Sie (die philosophische Anthropologie) betont jene Sonderstellung des Menschen, die er behält, wo er nicht mehr "die Krone der Schöpfung", sondern - wie Jercy Lec sagt - "die Dornenkrone der Schöpfung" ist: daß der Mensch nicht die Spezies der finalen Triumphe, sondern die Spezies der prolongierten Niederlagen ist mit dem Pensum, sie zu ertragen. Denn evolutionär gelang es dem Menschen weder, rechtzeitig auszusterben, noch, frühzeitig jene Verfassung zu finden, bei der er dann bleiben konnte. So muß der Mensch - wo alle anderen Arten längst entlassen sind in die letale oder finale Endgültigkeit - evolutionär nachsitzen; er ist nicht - sozusagen als Träger des gelben Trikots bei der Tour de l`évolution - der Spitzenreiter, sondern der Sitzenbleiber der Entwicklung: das retardierende Lebewesen, das es noch immer nicht geschafft hat, sondern das es mit seiner physischen Mängelverfassung aushalten muß, seiner gewußten Sterblichkeit, seinen Leiden als "Homo patiens" und der ewigen Wiederkehr des Ungleichen, der Geschichte." (...........) "Durch seinen historischen Charakter aber - seine mittlere Reichweite, Metaphorizität, grundsätzliche Zufälligkeit, faktische Unbeliebigkeit und große Wandlungsfähigkeit - ist der Kompensationsgedanke etwas, was auch in der Wissenschaft für die Menschen - als kurzlebige Wesen - ganz und gar unvermeidlich ist: eine Üblichkeit. Gerade der Kompensationsbegriff der philosophischen Anthropologie der Homo compensator ist - um es im Geiste Humes mit Rilke zu sagen - "eine Gewohnheit, der es bei uns gefiel"."
(Odo Marquard in "Philosophie des Stattdessen")

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